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Christine Brendle
Seite aktualisiert
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20.06.2011
Seit dem 28.02.2003 waren
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Rezensionen Die Nacht, in der
ich verschwand
Sein Bein spuckt Blut.
Wie ein erschossenes Tier in der eigenen Blutlache. Es wird mit etwas
verbunden, das er ausschließlich aus völlig anderen Zusammenhängen kennt.
Peter Prollmann, der Zeichner, glaubt sich in einem Film. Das kann nur ein
Kinofilm sein. Wie kam er in dieses Bett und weshalb ist er mit
Handschellen an den Pfosten gefesselt? Die Erinnerungen kehren langsam
zurück. Der Film läuft rückwärts. Aber da ist noch etwas ... noch jemand
... doch schon kribbelt es an der Kopfhaut, es wird dunkel und Peter
versinkt in einen schwarzen Sog, der ihn in die Tiefe zieht. Gerade noch
kann er sich von Frau und Kindern in seinen herabstürzenden Gedankenfluten
verabschieden ...
Ehefrau Jenny ist eine von der vergesslichen Sorte - mit den Gedanken
stets in anderen Welten und im Prinzip nur körperlich anwesend. Nicht nur
das Bügeleisen vergisst sie gelegentlich auszuschalten oder die Zugabe von
Waschpulver in die dafür vorgesehene Kammer, den Braten aus der Röhre zu
nehmen, den Wasserhahn abzustellen oder überhaupt etwas einzukaufen,
sondern auch den Geburtstag ihres Mannes. Und das sollte jetzt wirklich
böse Folgen haben ...
Wenn sie gestatten, möchte ich kurz eine Rezension loswerden ... denn hier
haben wir es mit einem außerordentlich kurzweiligen Kriminalroman zu tun,
der sich selbst, und das ganze Genre gleich mit, ordentlich auf die
Schippe nimmt. Was mich stört, ist das Cover. Dieses führt auf falsche
Fährten, denn hier verschwindet ein Mann und kein Mädchen. Beide
abgebildete Personen können zudem das entstehende Bild der beiden
Hauptakteure nicht bestätigen. Trotz dieses Schönheitsfehlers gilt meine
uneingeschränkte Empfehlung für diesen rasanten, wenn auch leider viel zu
kurzen Krimi.
Mit viel Wortwitz, Selbstironie und einem Gespür für absurde
Situationskomik sorgt Wolfgang Kirschner sowohl für Spannung als auch für
den einen oder anderen ordentlichen Brüller. Dabei geht es um ein ernstes
Thema, denn nicht selten verschwinden Männer spurlos. Sie wollten
eigentlich nur zum Zigarettenautomat laufen oder ein Bierchen in der
Kneipe um die Ecke trinken, kehren aber nie mehr zurück.
"Die Nacht in der ich verschwand" erzählt eine Geschichte und vermittelt
damit einen Eindruck, was in einer solchen Nacht passieren könnte. Welche
Verkettung von Umständen völlig unerwartete Wege eröffnen und den Lauf der
Dinge auf den Kopf stellen kann. Schön, dass es dem Autor nicht gelingt,
ein solches Drama mit dem durchaus üblichen Ernst zu behandeln, denn sonst
würde uns beispielsweise der Lacher mit dem oben schon genannten
Verbandsmaterial erspart bleiben ...
... was überaus bedauerlich wäre!
Thomas Lawall - August
2010
Es ist Piet Prolls 39.
Geburtstag. Als er von der Arbeit nach Hause kommt, ist keiner zu Hause.
Die Kinder sind ausgeflogen und seine Frau ist auch nirgends. Kein
Glückwunsch zum Geburtstag. Niemand hat sich daran erinnert. Was bleibt
Piet Proll also übrig, als alleine seinen Geburtstag zu feiern? Doch die
Zigaretten sind alle. Und so geht er in die Nacht hinaus, um Zigaretten zu
holen und kommt nicht wieder...
Natürlich hat sich schon so manch einer gefragt, wie es zum berühmten Satz
"ich geh mal Zigaretten holen" kommen kann und die betreffende Person dann
wie vom Erdboden verschluckt verschwindet. Der Autor Wolfgang Kirschner
hat sich an einer eigenen Version davon versucht. Einer Version mit einer
ausgewogenen Mischung aus Witz, Satire, Sex und kriminellen
Machenschaften.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Piet Proll, dessen Name dem Leser
bereits verrät, in welcher erzählerischen Sprache die Geschichte
wiedergegeben wird. Zusammen mit Piet Proll stolpert der Leser von einer
unglaublichen Szene in die nächste bis schließlich auch der wahre Grund
für sein langes Verschwinden geklärt wird. Bis dahin darf sich der Leser
auf ein Abenteuer der etwas anderen Art freuen, das man am liebsten ohne
Unterbrechungen lesen möchte.
Dark Angel
Piet Proll - die
Hauptfigur des flott geschriebenen Krimis wird am Vorabend des 40.
Geburtstages in einen Strudel unvorhergesehener Ereignisse gezogen. Der
Gang zum Zigarettenautomat wird zu einer Odyssee durch die kriminelle
Unterwelt einer deutschen Stadt. Begleitet wird der Protagonist dabei von
einer schönen Unbekannten, die dem Krimi einen guten Schuss an deftiger
Erotik verleiht. Eine glaubwürdige und humorvolle Wiedergabe neudeutscher
Proletensprache (oder "Proll-Sprache"), hervorragende Milieu-Schilderungen
und Witz zeichnen den Roman aus. Am Ende wird Piet Proll aus der
bürgerlichen Alltagswelt hinaus katapultiert. Der rauchenden und
nicht-rauchenden Leserschaft bleibt es überlassen, darüber zu urteilen, ob
diese Art von midlife crisis für Piet Proll eine gute Wendung war.
Auf alle Fälle wird der Leser den Krimi in einem Zug verschlingen und von
den unvorhergesehenen Ereignissen überrascht werden. Highly recommandable!!!!
Marc Herbach
Sex and Crime- witzig, frech und nicht so ernst zu nehmen. Kirschners
Krimisatire ist schnell gelesen, wunderbar als Geschenk zum 39. Geburtstag
eines Mannes geeignet. Ich wollte wissen, was mit der verrückten erotisch
locker hantierenden "Kaminiski" und dem Peter Prollmann, dessen Weib eben
jenen Geburtstag vergaß, dadurch eine handfeste Midlifestörung auslöste,
geschah. Prollmann - jener Mann, der mal kurz Zigaretten holt, der nicht
wiederkommt, oder nicht wiederkommen darf? Solange es noch Zigaretten
gibt, werden sie gehen, diese Piet Prolls und ihre Spuren verwischen.
Einfallsreich und amüsant geschrieben, gutes Tempo und spannend!
Monde
Piet Proll ist eine
arme Socke. Als Retuscheur macht er den ganzen Tag nichts anderes, als in
der Redaktion eines Männermagazins nackten Frauen gezeichnete Höschen
anzuziehen. Seine Frau ist zwar da, irgendwie, mehr aber auch nicht. Seine
Töchter interessieren sich nicht für den Vater.
Und dann kommt sein 39. Geburtstag. An den keiner gedacht hat, außer ihm
selbst. Piet Proll will was bleibt ihm anderes übrig - mit sich alleine
feiern, doch die Zigaretten sind alle. Er geht zum Automaten. Seine
Stamm-Marke klemmt. Dafür aber trifft er das Mädchen Kaminski. Anstatt
nach Hause zu gehen, folgt er der schönen Unbekannten. Und kommt nicht
wieder Heimdenn in dieser Nacht begegnet er wildem Sex, brutalen Männern,
Knarren, Handschellen, Granaten und einem Koffer voller Geld.
Wolfgang Kirschner schafft es, in einem Thriller sowohl das Grauen und die
Gänsehaut, als auch jede Menge Lachsalven unterzubringen. Plus eine
Liebesgeschichte, die schöner ist als die von Bonny & Clyde. Und das alles
in einer Sprache, die man in anderen Büchern vergeblich sucht denn
Kirschner hat den Sound. Er schreibt poetisch und dann wieder knallhart,
eine seltene Mischung.
Bei aller sprachlichen Feinheit bleibt Die Nacht, in der ich verschwand
doch ein Thriller der Extraklasse. Ein perfektes Drehbuch für die
menschlichen Abgründe und den Wahnsinn, der manchmal nur eine
Zigarettenlänge entfernt ist. Ganz großes Kino!
Silke Porath
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